Ein Rückblick auf unser bisheriges Gartenjahr 2021

Im Winter erhielten unsere jungen Obstbäume und Beerensträucher einen Schnitt, auf einigen Flächen wurde der Boden gekalkt, Wühlmäuse wurde der Kampf angesagt und die Kompostanlage gepflegt – alles engagierte Einzelaktionen (Hygienekonzept). Wir zogen meist zu Hause Gemüsepflanzen, darunter vielfältige Sorten in Vorkultur an.

Ab März konnten wir – mit entspr. Hygienekonzepten – mit unseren „offenen Gartenzeiten“, den Gruppentreffen und –aktionen wieder starten, leider nur für unsere Mitgieder. Unser Tomatenhaus erhielt im Frühjahr eine Dachabdeckung, die Kastenbeete wurden teilweise saniert. Auf allen individuellen als auch Gemeinschaftsbeeten wurde der Boden für die neue Saison vorbereitet und die alten Mulchschichten beiseitigt. Fast alle unserer Flächen verbrachten die Winterzeit unter einer schützenden organischen Mulchschicht aus Laub und Gartenabfällen. Dem Boden tat das sehr gut.

Da wir auf unserem lehmigen Boden stellenweise noch den Humusgehalt verbessern wollen und unser eigener Kompost noch nicht reicht, haben wir bei der städtischen Kompostanlage noch eine Ladung Kompost geordert und eingearbeitet. Ein „Sandarium“ für unsere Wildbienen wurde neu angelegt (s. Blogeintrag unten).

Beim VSP-Personal hat sich unser Team verändert: Alexander Junge beendete nach 4 Jahren seine Mitarbeit (Danke Alex fürs Dabeisein, für deine Ideen und Engagement) und Caroline Knoblich wurde in unser Gartengemeinschaftsteam aufgenommen. Sie teilt sich nun mit Heike in die eine geförderte Personalstelle. Es kamen einige neue Gartenmitglieder ab März dazu, einige wenige sind nicht mehr dabei. Familien sind verzogen, aber wir lernen auch, uns zu trennen, wenn es nicht funktioniert, nicht passt miteinander.

Wichtig für das Funktionieren unseres Gartens sind die Formen des Austausches, der Kommunikation und die Grundhaltung der Menschen zueinander und zum Projekt sowie zur Umwelt. So ist unser Garten doch als gemeinsames Gestaltungsprojekt zu begreifen und umzusetzen. Wie kann das gelingen ? – hat doch im Einzelfall jede*r andere Vorstellungen, Erwartungen, Wünsche, Bedürfnisse und Kompetenzen. Ein Beispiel ist die Verantwortungsübernahme für die Gemeinschaftsflächen: So wurde bei uns aus der bisherigen Praxis des kollektiven „Gießplanes“ ein neuer „Gieß- & Pflegeplan“. Das ist dann für uns eine neue Stufe der Verantwortungsübernahme durch die Gartenmitglieder. Aktuell sind das mit den Angehörigen ca. 90 Menschen im Alter von einem bis zu 88 Jahren (große Familien und viele alleinlebende Senior*innen). Wir haben uns angeschaut wie es bisher lief sowohl im positiven wie im negativen Sinne und konnten neue Wege finden, es anders und besser zu machen. Dazu haben wir uns in 2 Gruppentreffen Zeit genommen, mehrere Wochen ausprobiert, nochmal diskutiert, verändert … und jetzt läuft es einfach besser (und kann in Zukunft weiter entwickelt werden). Ja – das ist unsere Hauptmethode – Miteinander reden und zusammen nach Lösungen suchen. Wir schaffen das auch, Dank immer wieder engagierter Menschen wie Khalil, der beim Übersetzen hilft.

Seit Anfang Juni konnte pandamiebedingt auch wieder unser Tor für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Es schaut immer mal jemand vorbei, interessiert sich für den Garten oder beteiligt sich an der Pflege sporadisch und/oder auch ganz regelmäßig, nimmt von den Kräutern mit – auch ohne ein eigenes Beet bei uns zu haben oder Mitglied zu sein. So wollen wir offen sein als Stadtteilgarten. Unsere Mitglieder konnten wieder ohne Einschränkungen ihre Freund*innen, Nachbar*innen usw. mitbringen.  Ein studentisches Projekt der TU-Dresden reflektierte im Rahmen ihrer Lehramtsausbildung vor Ort unseren Garten, interviewte uns bzw. unsere Gärtner*innen. Eine Studentin der Sozialen Arbeit der EHS absolviert gerade ihr Praktikum bei uns. Im Juni haben wir mit einem kleinen Gartenfest unsere Saisoneröffnung nachgeholt. Bildung findet in so vielfältiger Weise statt, sowohl in den hier genannten tradierten Formen aber hauptsächlich in unserem Gartenalltag und Miteinander.

Ab Juni erreichten uns dann wie jedes Jahr die Anfragen von Gruppen, Vereinen und Initiativen aus dem Stadtteil für eine Nutzung zu verschiedenen Anlässen in den Sommermonaten. Wir konnten so 11 Veranstaltungen umsetzen. So wollen wir auch als Stadtteil- und Nachbarschaftsgarten das Miteinander, kulturelle Angebote und vielfältiges Stadtteilleben mit entwickeln und gestalten. Aber auch ein Gartenmitglied hat einen interaktiven Märchennachmittag für Kinder und Familien öffentlich angeboten. Leider kamen an diesem windigen Nachmittag viel zu wenig Besucher*innen in unser grünes Märchenzimmer.

Von der Möglichkeit, dass privat (fremde) Gäste bei uns feiern können, den Garten dafür kostenfrei nutzen können, haben wir uns verabschiedet. Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert – eine Erfahrung, die wir nur durch das Ausprobieren machen konnten. Hier mangelte es bei den Gästen an einer grundlegenden Wertschätzung des Projektes. Nein – wir sind kein Dienstleister.

Unseren Gartenkulturen machte das wechselhafte Wetter im Frühjahr zu schaffen und dann sorgte eine wahre Schneckeninvasion für kahlgefressene Beete. Also wurde unermüdlich nachgepflanzt und gesät. Nun ernten wir schon seit einiger Zeit die Früchte unserer Arbeit, jeweils zweimal in der Woche ernten wir gemeinsam von den Gemeinschaftsflächen und teilen die Ernte solidarisch. Auf den individuellen Beeten kann natürlich täglich geerntet werden – jede*r wie sie*er mag. Zwiebeln, Knoblauch, Kohlrabi, Kräuter, Tomaten, Gurken, Zucchini, Auberginen, Salate und Bohnen konnten wir bisher ernten und es geht ja noch weiter. Das im Vorjahr neu angelegte große Erdbeerbeet war ein voller Erfolg und mega leckere Erdbeeren überraschten uns mit ihrer Üppigkeit in der Anzahl der Früchte. Aber auch Obst, Johannes-, Stachel- und Himbeeren konnten wir ernten; ebenso unsere Wildfrüchte wie Felsenbirnen und aktuell steht die Aronia-Ernte an. Die Heidelbeeren fühlten sich am alten Standort nicht wohl, wollten nicht gedeihen, sie erhielten einen neuen Platz.  Natürlich gibt es immer wieder leckere Kuchen und Torten von unseren Ernten, die dann gemeinsam in Tee-/Kaffeerunden verspeist werden. Es werden Zubereitungsarten, Rezepte, Konservierungsmethoden ausgetauscht. So sind im Gartenalltag alle eingeladen stetig neue Erfahrungen zu machen, was neues lernen, zu tauschen und zu teilen – sowohl Wissen, Erfahrungen, Ernte, Saatgut, Setzlinge/Jungpflanzen – daran partizipieren wir hier alle in unserer grünen Oase. Die Geburtstagsfeiern unserer Gärtner*innen im Garten sind insziwschen auch eine lieb gewonnene und liebevoll gestaltete Tradition sowie auch die Wandergruppen, die sich hier gefunden haben (alles Seniorinnen).

(Foto S. Fischer)

Nachbarschaftshilfe wurde durch den Träger und die Gartenmitglieder während der Pandemie organisiert und angeboten: Einem Gärtner ging die Waschmaschine kaputt, es fehlte Geld für eine neue. Schnell konnte aus dem Netzwerk heraus geholfen werden. Auch das gehört zu unserem Projekt.

Wir erhielten von zwei Gärtnereien Pflanzspenden – ein großes Dankeschön dafür! Insbesondere hat das geholfen, die Verluste durch die Schnecken im Juni noch auszugleichen und diesmal waren auch sehr interessante Kräuter- und Gemüsepflanzen dabei.

Die dauerhafte Feuchtigkeit verursacht das Auftreten verschiedener Pflanzenkrankheiten wie z.B. der Kraut- und Braunfäule. Um die Ausbreitung und am Ende den Verlust der Ernte einzudämmen gehen wir mit folgenden Strategien dagegen vor: das laufende Entfernen von befallenen Pflanzenteilen und das Sprühen mit einer Backpulverlösung (8gr auf 1 l Wasser), das ebenfalls wiederholt werden muss. Es gibt noch andere vor allem Pilzerkrankungen, mit denen wir in den vergangenen Dürre-Jahren nicht zu tun hatten (z.B. bei den Gurken) – wir sind also im Beobachten, Behandeln, Ausprobieren und Lernen, was da hilft und natürlich ohne die chemischen Keulen, die sind bei uns tabu. Präventiv arbeiten wir mit verschiedenen Methoden (z.B. beim Pflanzenanbau, Nachbarschaften … bis hin zu speziellen Jauchen). Zur Erinnerung: Wir sind als Projekt gerade 4 Jahre alt geworden!

Im August haben wir alle zusammen im Gruppentreffen unser Regelwerk/Selbstverständnis reflektiert und fortgeschrieben, da hatte uns die Pandemie doch ausgebremst. Für uns ist dieses demokratische Selbstverständnis bedeutsam bzw. der Entwicklungsprozess dazu. Wir begannen 2017 damit und es wird fortgeschrieben, ist nicht statisch. Eine kleine Orientierungshilfe für Interessierte, neue Mitglieder ist auch entstanden.

Ein Ausblick in die nächsten Wochen

Als nächstes steht die Kartoffelernte an und natürlich findet dann auch unser traditionelles Kartoffelfest wieder im Garten statt. Gemeinsam werden wir zu diesem Anlass im Garten kochen, probieren und genießen. Noch in Vorbereitung ist für die letzte Ferienwoche ein Kreativangebot für Kinder im Garten (Malteser/Buchkinderprojekt). Im September planen wir eine Exkursion in einen anderen Gemeinschaftsgarten und natürlich beteiligen wir uns am Bürgerfest Prohlis am 2.10., wir stecken in den Vorbereitungsarbeiten.

Bauprojekte gibt’s immer: unser Dach über der Sitzecke soll noch eine weitere Schutzabdeckung erhalten und die Schräge zum Wasserablauf ist noch zu optimieren.

Wir unterstützen mit Aufklärung, Übersetzung und Informationen die Bemühungen in der Impfkampagne – für einen möglichst sicheren Umgang für uns alle, für eine mögliche Normalität unseres Alltags, fürs Gesund-bleiben. Auch vor dem Hintergrund, dass bei uns betagte Senior*innen regelmäßig engagiert und aktiv sind, ist uns der Schutz von Menschen mit einem höheren Risiko bedeutsam bei gleichzeitiger Teilhabe am öffentlichen Leben.

Und natürlich freuen wir uns auf unsere Ernte-Vielfalt im Garten … gesund, frisch, lecker.

Und ja … auch das Personal braucht mal bissel Urlaub, Danke an alle, die dann Verantwortung übernehmen.

Wer sich für unseren Gemeinschaftsgarten interessiert, ist in unseren „offenen Gartenzeiten“, die sich saisonal unterscheiden (s. Flyer/Aushänge) sehr herzlich willkommen.

Ein Sandkasten für Wildbienen – ein Sandarium entsteht

Für unsere Wildbienen entsteht im Gemeinschaftsgarten ein Sandarium. Gebaut ist der „Wildbienen-Sandkasten“ recht schnell: an einem sonnigen Platz eine ca. 30-40 cm tiefe Mulde ausheben und mit grobem Sand ausfüllen. Es eignet sich z.B. schon benutzter Spielsand aus einem Spielsandkasten, keinesfalls jedoch sollte man neuen, gewaschenen Spielplatzsand benutzen. Darin hätten die Niströhren nämlich keinen Halt. Hinzu haben wir noch etwas Lehm gegeben und diesen mit eingearbeitet. Damit entsteht eine optimale Bodenstruktur für die Niströhren, welche die Wildbienen dann anlegen. Man kann die Stabilität des Bodens testen, indem man einen Stock hineinsteckt. Beim Rausziehen sollte der Boden nicht zusammenfallen. Nun das Material noch etwas festklopfen und schon ist das Sandarium fertig. Im nächsten Schritt werden wir noch etwas Totholz darüberlegen, womit die Bienen ihre Brutröhren verschließen.

Und warum das Ganze? 75 Prozent aller Wildbienenarten sind Erdnister. Daher sind Insektenhotels gar nicht geeignet für unsere Wildbienen. Und weil viele Arten stark bedroht sind, kann man mit dem Anlegen eines sogenannten Sandariums ein wenig helfen.

Mitbring-Büfett & nachgeholte Saison-Eröffnung

Obwohl schon seit Saisonbeginn wieder Leben im Garten ist und fleißig gegärtnert wird, konnten doch größere Treffen weiterhin nicht stattfinden.

Umso mehr freuen wir uns, dass wir nun endlich wieder in dieser Form zusammen kommen können – unsere monatlichen Gruppentreffen finden wieder vor Ort statt und unser Nachmittag mit einem Mitbring-Büfett diente gleich einer kleinen nachgeholten Saison-Eröffnungsfeier.

Auch die kleinen Gäste erfreuten sich am ersten erntereifen Obst und Gemüse – Kaiserschoten zum Abpflücken, Himbeeren, Erdbeeren, Felsenbirnen…